Alles Fake auf Instagram? Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Normalerweise bin ich kein Freund abgedroschener Floskeln und lege natürlich, so wie sich das gehört, 5 Euro ins Phrasenschwein. Aber irgendwie bringt der Satz: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!, den Inhalt dieses Blogbeitrages am besten auf den Punkt.

Schon lange hatte ich die Überlegung, einen Artikel zum Thema Follower– bzw. Like-Kauf auf Instagram zu schreiben. Und mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich meine Gedanken dazu einfach auf digitales Papier bringen muss. Ich werde in den nächsten Zeilen niemanden öffentlich anprangern oder Namen nennen. Ich beschreibe lediglich meine Beobachtungen zum Thema Fake auf den sozialen Netzwerken und gebe meine ehrliche Meinung dazu ab. Und ich freue mich natürlich, wenn du in die Diskussion mit einsteigst, denn Social Media soll endlich wieder Spaß machen, so wie damals 2012.

 

Instagram? Ist das wieder so was wie Facebook?

Im Sommer 2012 hab ich mir Instagram auf mein Handy geladen. In Deutschland bis dato noch unbekannt, legte ich mir ein Profil an: magda_flake
Ein persönliches Profil, für mich eine Art individuelles Fotoalbum. Von Hashtags, Shout Outs, Follow4Follow und Repostings hatte ich bis dahin noch nie was gehört. Meine Bilder hatten im Schnitt vielleicht 30 Likes und meinem Profil folgen bis heute 129 Leute. Damals war das für mich so unfassbar viel! 129 die sich meine Fotos angucken?! Wahnsinn!

Der letzte Beitrag ist übrigens vom 28. Mai 2014, danach kam runskills.

So langsam aber sicher wurde Instagram bekannter und die Accounts wurden spannender und leidenschaftlicher. Leidenschaftlicher! Ja, ich behaupte, dass sehr viele zu dieser Zeit ihren Account mit sehr viel Liebe und Hingabe aufgebaut haben. Da wurde noch jeder Kommentar beantwortet und jeder Person, die einem gefolgt ist, wurde ebenfalls gefolgt. Es entstanden Beziehungen untereinander, Gruppen bildeten sich, Chatgruppen schlossen sich zusammen und sogar Freundschaften sind durch Instagram entstanden. #instamakesfriends

Für viele war Instagram das digitale Wohnzimmer. Jeder der Blümchen oder Herzen mitbringt, ist herzlich willkommen auf der Couch Platz zu nehmen. Negative Stimmung? Fehlanzeige! Hier ist man noch freundlich zueinander und hat sich lieb. Oder auch: Instagram ist oberflächlich. Schnell entstanden Grüppchen – wer tagtäglich durch seinen Insta-Feed scrollt, wird schnell feststellen, wer mit wem zusammenhängt. Aber das war OK, denn es war nichts anderes als eine Clique in der Schule. Gleiche Interessen, gleiche Weltanschauung und gleiche Werte lassen nun mal Gruppen entstehen. Und mit diesen hängt man in seiner Freizeit ab.

 

1.000 Follower – a star is born!

Im Sommer 2014 ging unser Blog runskills online. Unsere Motivation für die „Gründung“ des Blogs war ganz simpel: So viele Leute wie möglich für den Laufsport zu begeistern. Und weil ich einen kreativen Background habe und Fotos über alles liebe und mir gerne schöne Bilder ansehe, legte ich für runskills ein Profil auf Instagram an. Wir wollten unser Training, unsere Wettkämpfe und unsere Fortschritte bildlich dokumentieren und somit andere Laufanfänger motivieren.

Instagram machte mir so viel Spaß, dass ich täglich mehrere Stunden dort verbrachte. Immer wieder entdeckte ich tolle Accounts, die mich inspiriert haben. Wie gerne denke ich an die Oatmeal-Zeit zurück, als das Frühstück ein halbes Kunstwerk war. Es machte mir Freude mich auch darin auszuprobieren und selbst kreativ zu werden. Und da wir damals weder in Besitz eines guten Smartphones, noch einer Actionkamera waren, landeten eben auch viele Frühstücksbilder in unserem Feed. Und natürlich Laufcollagen, die dürfen hier nicht unerwähnt bleiben.

Wir hatten zu dieser Zeit keine 500 Follower, aber es war uns egal. Die Interaktion war da und es gab immerhin Menschen, die sich für uns und unseren Sport interessierten.
Uns blieben die vielen erfolgreichen Accounts natürlich nicht unbemerkt und alle Profile ab 1.000 Follower waren für uns schon kleine Berühmtheiten. Hatte jemand schon 10.000, dann war derjenige für uns ein Promi. So viel werden wir niemals erreichen.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich Instagram weiter und auf einmal wurden die Themen Follower und Likes immer wichtiger.

„Ah, du bist auf Instagram. Cool, wie viele Follower hast du da?“

Oder die Diskussion als Instagram die Anzeige der Follower-Zahl im Profil änderte. Auf einmal wurden anstatt 5.086 Tsd., 5 k angezeigt. Skandal! Wie sollte man jetzt jemanden beweisen, dass man eigentlich 86 Follower mehr hat, als tatsächlich angezeigt werden. Und das war die Geburtsstunde von Follower+ und sonstigen, wie ich sie liebevoll nenne, Spionage-Apps.

 

Shout Out aus Überzeugung war gestern

Spionage-Apps, sind die Apps, welche dir anzeigen, wer und wie viele dir entflogt sind. Es gibt auch noch ein paar mehr Funktionen, zum Beispiel wer dich blockiert hat, aber letztendlich wollten doch alle nur das gleiche wissen: Wer ist mir entfolgt? Und wenn ich weiß wer mir entflogt ist, dann kann ich ihn blöd finden und ihn gegebenenfalls auch entfolgen.

Zahlen standen auf einmal im Vordergrund und plötzlich war das Ponyhofleben auf Instagram vorbei. Durch den ständigen Drang nach mehr Likes und Followern, wurden die User immer kreativer.

„Heute möchte ich euch einen absoluten tollen und liebevoll gestalteten Account vorstellen. Bitte schaut dort vorbei und hinterlasst ein Like.“

So was nennt man Shout Out (aus Überzeugung). Besonders kleinere Profile profitieren davon, wenn ein augenscheinlich großer Account ein Shout Out macht. Im Prinzip spricht nichts gegen eine Vorstellung eines anderen Accounts, wenn es tatsächlich aus reiner Überzeugung und ohne jeglichen Hintergedanken geschieht. Irgendwann war der Feed allerdings voller Shout Outs und die Aufmerksamkeit für solche Aktionen schwand. Ein neues Level an Perversion wurde dann erreicht, als „einflussreiche“ Instagramer zu einer Bewerbung für ein Shout Out aufriefen. Jetzt soll ich mich also für eine Vorstellung bewerben, damit du dann nachher sagen kannst, du stellst meinen Account aus REINER ÜBERZEUGUNG vor?! Really?!

Dieser Trend ist in den letzten Monat zum Glück zurückgegangen, aber Instagram wäre ja nicht Instagram, wenn nicht schon der nächste Trend in der Tür stehen würde.

 

Eine Packung Tee gegen Werbung!

Du kannst also schon sehen, in welche Richtung sich die Fotoplattform entwickelt hat. Spätestens mit der Übernahme Instagrams von Facebook und der Einführung von Werbeanzeigen war die Illusion einer heilen Fotocommunity dahin. Immer öfter kam es zu bewussten Produktplatzierungen, quasi Werbung. Anfragen im Direct Message Postfach häuften sich, meistens allerdings unseriöser als eine Verkaufsshow bei einer Kaffeefahrt. Für eine Packung Tee (Yeah, voll geil.) muss man ja schließlich nur ein Bild auf Insta posten.
Der Umgang vieler Blogger mit Werbung auf Instagram ist bis heute erschreckend. Vor allem sehr große Accounts leben mittlerweile gut davon, kennzeichnen ihre Posts aber meistens nicht als Werbung. OK, ich gebe zu, das ist ein sehr schwieriges Thema und man befindet sich in einer Grauzone. Auch wir haben am Anfang vieles nicht gewusst und falsch gemacht. Aber man entwickelt sich weiter und lernt dazu. Fakt ist aber auch, dass wir von Instagram nicht unsere Miete bezahlen können, ja, nicht einmal der Strom wäre damit gedeckt. Wir sind also ein kleiner Fisch im großen Influencer-Haifischbecken. Wenn ich aber Einnahmen im vier- bis fünfstelligen Bereich damit erziele, dann habe ich die gottverdammte Pflicht dies auch transparent zu gestalten. Ansonsten reden wir hier von Schleichwerbung und diese ist in Deutschland verboten.

Spätestens, wenn man selbst die erste Anfrage für eine Kooperation im Postfach hat, beginnt man sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. Zwischen „Hey, mit mir will endlich ein großer Wurstlieferant zusammenarbeiten.“ und „Scheiße, eigentlich esse ich ja gar kein Fleisch?“ liegt nur eine Haaresbreite. Ich erinnere mich noch genau an unsere erste Anfrage: Es ging um einen Produkttest auf dem Blog. Wir haben uns tagelang den Kopf zerbrochen, ob das zu uns passt und ob wir hinter dem Produkt stehen können. Mit leichtem Bauchgrummeln sind wir die Kooperation eingegangen.

 

Follower und Likes kaufen ist Betrug!

Mittlerweile ist auf Instagram aber ein Level erreicht worden, welches ich persönlich einfach nur peinlich und ganz, ganz arm finde. Follower und Likes kaufen! Die Sucht nach mehr Erfolg und mehr Anerkennung in den sozialen Netzwerken ist bei manchen schon so stark, dass sie alles dafür tun und dabei betrügen. Ja, Follower und Likes kaufen ist Betrug! Die Accounts, die das betrifft, zu entlarven ist im Übrigen nicht schwer. Es gibt Tools, die den Verlauf der letzten Wochen oder Monate dokumentieren. Und wer schon seit Jahren auf Instagram aktiv ist, weiß, wie realistisch ein Follower-Zuwachs von 10.000 im Monat ist und kann sich ausrechnen, ob 200 Likes auf 80.000 Follower hinhauen.

Jetzt kann man ja einfach sagen: „Hey, die betrügen sich doch selbst.“
Ja, dass tun sie aber viele haben damit leider auch noch Erfolg. Agenturen und Unternehmen schauen fast ausschließlich auf Zahlen, wer die meisten Follower hat bekommt den Zuschlag. Nach der Interaktionsrate schaut kaum jemand, und ob der Blogger wirklich zum Produkt passt, spielt eigentlich auch keine wichtige Rolle.

Weißt du, was mir an der ganzen Sache aber am meisten stinkt?

Die Einstellung!

Menschen wollen heutzutage immer Erfolg, aber nichts dafür tun. Reichweite, Follower und sogar Fans zu bekommen ist ein sehr langer und steiniger Weg. Du musst dir das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit erarbeiten und das geht nicht von heute auf morgen. Wir sind jetzt seit 2,5 Jahren mit runskills auf Instagram und haben knapp 24.000 Follower, das ist im Laufbereich schon ganz OK. Dahinter steckt aber wahnsinnig viel Arbeit, indem wir nicht nur schöne Bilder hochladen, sondern unseren Followern auch Mehrwert bieten. Wir machen uns wöchentlich darüber Gedanken, welches Thema wir mal wieder auf dem Blog behandeln können oder welche Aktion wir für unsere Follower starten können. Von 5 Aktionen sind 4, wofür wir keinen Cent bekommen. Wir machen es, weil es uns Spaß macht und weil wir eine super Community haben, die es wert ist, sich für sie ins Zeug zu legen.

Hauptsache Follower. Ja klar, Follower sind das Fundament einer funktionierenden Community. Ohne einen Einzigen davon gibt es auch keine Interaktion. Aber ich muss denen doch auch was bieten können. Mal ehrlich: was sollte im Falle von Instagram, dass wichtigste an einem Account sein? Gute Fotos!
Sorry, aber ich möchte keine verschwommenen, unscharfen, über- oder unterbelichteten Fotos sehen. Das Bild muss Qualität haben und dafür brauche ich keine 5.000 Euro Spiegelreflexkamera. Ich möchte kreative und motivierende Aufnahmen sehen und nicht das Gefühl haben, das wurde mal so eben dahin gerotzt.
Außerdem gehört auch schon lange eine gute Bildbeschreibung dazu und #nicht #nur #beschreibungen, #die #lauter #hashtags #beinhalten. Letztendlich steht es natürlich jedem frei, wie er sein Profil gestaltet, aber bei mangelnder Bildqualität, schlechten oder langweiligen Texten à la „Heute war ich laufen.“ und null Komma null Interaktion, kann man eben keine Wunder erwarten.

Und das Allerschlimmste daran ist, dass die meisten die einkaufen, es von der Qualität des Accounts noch nicht einmal nötig hätten. Wieso macht ihr das also? Ist euer Selbstbewusstsein so klein? Sind euch Zahlen, die noch nicht einmal stimmen so wichtig?  Habt ihr keine anderen Qualitäten? Gönnt ihr anderen den Erfolg nicht? Was bitte ist eure „Motivation“?

Ich finde es extrem traurig, dass es momentan kaum ein anderes Thema gibt. Sollte man nicht lieber über Sport, Freizeit und andere schöne Dinge quatschen? Sollte man auf Instagram nicht einfach Spaß haben und sich mit Gleichgesinnten austauschen?

Es gab öfters Zeiten, da wollte ich den Account löschen und alles hinschmeißen, weil ich mich einfach nur verarscht gefühlt habe. Instagram hat keinen Spaß mehr gemacht! Überall nur noch gesponserte Anzeigen, Werbung für Supplements oder sonstigen Kram, der mein Leben ja so viel besser macht, und uninspirierende Accounts. Letzteres finde ich am schlimmsten.

Make Instagram great again!

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