Stubai Ultratrail: Die größte sportliche Herausforderung

Wir möchten uns bei unseren Ausrüstern für das gestellte Equipment bedanken: ASICS, Ledlenser, Leki, Garmin und SportScheck. Dies hat keinen Einfluss auf die Bewertung der Produkte. Unsere Meinung bleibt unsere Meinung.


 

„Schon gesehen? Beim Stubai Gletscher gibt’s nächstes Jahr einen Lauf. 63 km von Innsbruck hoch auf den Gletscher.“
„Ist klar, mir reicht schon der Weg mit der Gondel nach oben…“

Ein paar Tage später waren wir angemeldet, und zwar für den 1. Stubai Ultratrail am 01.Juli 2017.

63 km, genau genommen 62,8 km, 5.115 Meter im Aufstieg und 2.554 Meter im Abstieg, gibt es bei der Premiere des Stubai Ultratrail zu bewältigen. Start ist in der Olympiastadt Innsbruck und Ziel ist die „Jochdohle“ auf 3.150 Meter. Als Alternative gibt es denn Basictrail, der mit knapp 28 km und 2.500 Hm nicht weniger beeindruckend ist. Ziel ist gleich und Start ist hier in Neustift im Stubaital. Das Besondere am Ultratrail: Er startet 1 Uhr nachts. Das heißt, zu den absolut gigantischen 5.000 Höhenmetern kommt noch dazu, dass der Lauf zum Großteil in der Nacht zu bewältigen ist. Wer traut sich sowas zu?

 

Die Vorbereitung auf den Stubai Ultratrail

Ein paar Wochen zuvor machten sich bereits die ersten Nervositätserscheinungen bemerkbar. Denn egal, auf wen man traf, man bekam immer die Frage gestellt: „Na, wie läuft das Höhentraining?“

Wie du weißt, sind wir ja eher so die Straßenläufer – zwar bereitet uns eine lange Distanz weniger Probleme, aber die Höhe, ja die sollte man trainieren. Zum Glück waren wir im vergangenen Jahr das ein oder andere mal in den Bergen – entweder zum Wandern oder zum Laufen. Außerdem galt der Fichtelberg Ultra Anfang Juni, sowie der Koasamarsch als Vorbereitungsläufe für Stubai. Während Dennis seine Höhenmeter vor allem im Wettkampf sammelte, hatte Susi im letzten Jahr bereits ein Women’s Camp in Garmisch besucht und konnte dort wertvolle Tipps für Trailläufe erhalten. Wenn du wissen willst, wie so ein Laufcamp abläuft, dann schau mal hier vorbei.

Als zweite große Baustelle hatten wir das Thema „Equipment„. Denn mit ein paar Laufschuhen und Kompressionssocken ist es leider nicht getan. Wir hatten also weder einen Trail-Rucksack noch Stöcke oder gute Stirnlampen. In der Regel läuft man bei einem (Ultra)-Trailrun nicht einfach drauflos, sondern muss seine Ausrüstung im Vorfeld sorgfältig prüfen. Beim Stubai Ultratrail gab es eine Liste der Dinge, die in die Pflichtausrüstung gehören.

Beim Durchgehen der Liste wurde einem erst einmal bewusst, dass man eigentlich gar nichts davon so wirklich hat. Es ging schon bei den Schuhen los und endete beim Erste-Hilfe-Set. Nun hieß es also, Ausrüstung besorgen!

 

Equipment für einen Ultratrail: Stöcke, GPS-Uhr, Trinkrucksack, Trailschuhe, Kompressionsstrümpfe, Stirnband, Spikes, Stirnlampe von LedLenser

 

Und hier unser Equipment am Beispiel von Dennis, da er den Stubai Ultratrail gelaufen ist. Seine Ausrüstung bestand aus folgenden Dingen:

  • Trinkrucksack mit 1,5 Liter Fassungsvermögen der Trinkblase (1 Liter waren Pflicht). Modell ASICS Fujitrail Speed*
  • Trailschuhe: Modell ASICS Gel-Fuji Trabuco 5 *
  • Normale Bekleidung: kurze Hose, T-shirt und Regenjacke (Pflicht) für den Start von ASICS*
  • Kompressionskleidung: Sleeves für die Waden und für die Oberschenkel von Bauerfeind
  • GPS-Uhr (Pflicht): Garmin 935 Forerunner*
  • Stirnlampe (Pflicht): Ledlenser MH10* mit Ersatzakkus, Dennis hatte eine zweite Lampe dabei: Modell Ledlenser SEO 7*
  • Stöcke: von Leki*
  • Stirnbänder und/oder Mütze (Pflicht)
  • Erste-Hilfe-Set (Pflicht)
  • eigene Verpflegung: Gels, Marshmellows, Riegel
  • Trinkbecher für die Verpflegungsstationen (Pflicht)
  • Sonnenbrille: Leki
  • Smartphone (Pflicht)
  • Startnummernband
  • Spikes: wurden eine Woche vor dem Start aufgrund der Witterungsbedingungen empfohlen
  • Trillerpfeife (Pflicht)

Wie du siehst, ist die Liste etwas länger als bei der Vorbereitung auf einen Straßenlauf. Dass einige Dinge zur Pflichtausrüstung gehören, hat übrigens sicherheitsbedingte Aspekte. Stell dir mal vor, du verletzt dich auf 2.000 Meter Höhe oder kannst kräftemäßig nicht weitermachen – dann ist es wichtig, dass du alles Notwendige dabeihast.

 

Dennis goes Ultratrail: 62,8 km und 5.116 Hm

Der Start in Innsbruck: Ich habe mir fast ins Hemd gemacht!

Jacke schließen, Trail-Rucksack aufsetzen, Stirnlampe einschalten, GPS-Track starten, kräftig Ein- und Ausatmen, das Kribbeln noch einmal spüren und dann heißt es: Augen zu und durch. Los geht´s!
Dies waren die letzten Momente an der Startlinie, bevor das Abenteuer 63 km und 5.000 hm für mich richtig losging. Nie zuvor hatte ich so einen riesigen Respekt vor einem Racestart, wie vor diesem. Bei allen Wettkämpfen davor ging ich entweder mit einem gewissen Druck oder im Gegenteil, mit purer Gelassenheit an den Start. Doch hier in Innsbruck war alles anders. Obwohl ich für das zeitliche Endergebnis mir keinen Druck machte, war die Furcht vor der Distanz, der Höhe, der Dunkelheit, dem Wetter und dem Ungewissen enorm. Meinst du, ich habe ich mir fast ins Hemd gemacht? Ehrlich gesagt JA!

Für mich ging die Reise schon etwas eher los und so war ich bereits am Freitagnachmittag in Neustift angekommen. Schnell ging es zur Startunterlagenabholung, um die restlichen Informationen beim Briefing zu bekommen. Ich blieb nicht lange, denn ich wollte mich die letzten Stunden vor dem Start noch ausruhen. Also ging es schnell wieder auf die Couch um noch ein bis zwei Stündchen zu schlafen. Vor lauter Aufregung konnte ich aber nicht viel mit schlafen. Man könnte es eher als „Chillen mit geschlossenen Augen“ bezeichnen. Gegen 22 Uhr kamen dann auch endlich Susi, Isa und Andi, die mich dann nach Innsbruck zum Start brachten. Dort musste ich dann auch nicht alleine aufgeregt sein, denn die drei warteten bis zum Startschuss.

 

Start Stubai Ultratrail um 1 Uhr nachts in Innsbruck

Dennis‘ Begleiter war die Garmin 935 Forerunner

 

Gute Ausrüstung ist die halbe Miete!

Die ersten Kilometer: Zu unserer eigenen Sicherheit ging es die ersten drei Kilometer durch die Innsbrucker Altstadt hinter der Polizei her – niemand durfte überholen. Erst nach Passieren der Stadt und beim Traileinstieg waren wir auf uns allein gestellt. Und es ging auch gleich richtig zur Sache: Aufgrund von engen, technisch anspruchsvollen und am Abgrund entlang laufenden Trails, war auch hier noch Überholverbot angesagt. Schon an diesem Punkt zahlte sich übrigens eine gute Stirnlampe aus, denn es war stockfinster und die Wege ohne gescheites Licht kaum einsehbar.

Ich bin mit der Ledlenser MH10 gelaufen. Dank einer kleinen Drehvorrichtung direkt an der Lampe, kann man die Größe des Lichtkegels anpassen und ist somit optimal in der Lage, jedes noch so kleine Hindernis bereits weit im Vorfeld wahrzunehmen. Die Kontraste zeichneten sich so gut ab, dass die Dunkelheit der Nacht mir nichts ausmachte und ich mich sicher auf den Trails fühlte. Ich hatte beim Packen meiner Sachen übrigens die Wahl zwischen der Ledlenser MH10 und der Ledlenser SEO 7. Aufgrund der noch besseren Helligkeit entschied ich mich trotz des Gewichtes für die MH10. Zum Vergleich: Die Ledlenser MH10 schafft 600 lm, die Ledlenser SEO 7 220 lm. Bei der Reichweite des Lichtes nehmen sich beide nicht viel. Die MH10 kommt auf 150 m und die SEO 7 auf 130 m. Die Akkulaufzeit der MH10 liegt bei ca. 10 Stunden, wenn sie dauerhaft im Betrieb ist und die SEO 7 schafft ca. 5 Stunden.
Beim Gewicht schlägt die SEO 7 die MH10, denn sie ist gut 65 Gramm leichter. Für dieses spektakuläre Abenteuer habe ich mich aber aufgrund der noch besseren Helligkeit am Ende für die Ledlenser MH10 entschieden.

 

Stirnlampen von LedLenser eignen sich sehr gut für einen Traillauf

Dennis lief seinen Ultratrail mit der Ledlenser MH10

 

So vergingen die ersten zwei Stunden wie im Flug und auch die ersten Verpflegungsstationen waren bereits passiert. Das Läuferfeld zog sich immer mehr auseinander und man hatte ab diesem Zeitpunkt keinen direkten Vorder- bzw. Hintermann. So ist das bei Ultra-Trails, man ist sehr lange alleine unterwegs. Doch dank meiner Garmin 935 Forerunner und dem eingespielten Lauf-Track, sowie der guten Streckenabgrenzung, war es kein Problem auf dem richtigen Trail zu bleiben. Nun ging es in die Höhe und der erste Gipfel bei Schlick auf 2.000 m wartete auf mich. Je höher man kam, desto kälter wurde es. Es wurde so kalt, dass ein Weiterlaufen ohne Handschuhe für mich undenkbar war. Die letzten Meter hoch zum Gipfel waren die erste große Herausforderung des Tages für mich. Bei Schneeregen und -4 Grad quälte ich micht mit meinen Stöcken nach oben. Schritt für Schritt, Stoß für Stoß. Es war brutal.

 

Die Landschaft im Stubaital

 

Zu schnell für den Sonnenaufgang

Oben angekommen hatte ich noch die Worte eines Kumpels im Hinterkopf (Robert Kampczyk): „Wenn du oben bist, genieß die Aussicht!“ Pustekuchen! Als ich oben ankam, war es eisigkalt und dunkel – nichts mit Sonnenaufgang. Ich war einfach zu früh da. Andererseits bedeutete das, dass ich schnell wieder runter konnte und somit keine Zeit verlor. Da kommt wohl doch immer ein bisschen mein Ehrgeiz durch. Das erste Teilstück bergab war ideal für mich. Dank einer relativ breiten, festbefahrenen Talstraße konnte ich runterwieseln, bis der Arzt kommt – bis ich mal wieder zu weit gelaufen bin. Ja, auch diesmal habe ich mich kurz verlaufen. Wird wohl jetzt langsam zum Running Gag. Dank einem lauten Piepen meiner GPS-Uhr, wusste ich, dass ich falsch war. Das bedeutete, es kamen „nur“ 400 Extra-Meter dazu, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war.

Glücklicherweise wurde es dann wieder wärmer und ich brauchte meine Handschuhe nicht mehr – schließlich ist ja auch Juli! Das zweite Teilstück bergab war dann auch wieder anspruchsvoller. Ohne meine Stöcke wäre ich definitiv mit mehr blauen Flecken und Schürfwunden nach Hause gekommen. Beim Bergauflaufen sind Runnnigstöcke übrigens sehr hilfreich, aber beim Bergablaufen entwickeln sie sich zu wahren Lebensrettern, vor allem bei mir. Wie oft diese Teile mir einfach geholfen haben mein Gleichgewicht zu halten, ist unglaublich. Danke Leki!

Noch vor 5 Uhr passierte ich Neustift im Stubaital, dort wo auch unsere Unterkunft war. Von da an ging es wieder etwas flacher weiter und ich konnte meine Stöcke zusammenfalten und einpacken. Mit nur 195 g spürt man diese auch kaum auf dem Rücken.

Nicht nur, dass es endlich flacher wurde, nun kam auch endlich die Sonne raus und es wurde hell. Theoretisch hätte ich jetzt meine Stirnlampe ausschalten können, aber dank automatischer Erkennung von Tageslicht, schwächt sich die Lampe von selbst ab und ich bemerkte nicht einmal, dass sie überhaupt noch an war. An den Verpflegungsstationen stärkte ich mich mit Kuchen, Suppe und Tee und danach ging es dann auch wieder weiter in Richtung Mutterbergalm, zum Fuß des Gletschers.

 

Der Trail zur Mutterbergalm: Kühe grasen

 

Am Tiefpunkt angelangt: Ist aufgeben überhaupt eine Option?

Nach 55 km und komplett durchnässt von Schweiß und Regen, kam ich an der Mutterbergalm an. Ich war schon ziemlich platt, aber auch glücklich, dass ich mich unter einem Heizpilz umziehen konnte. Stressen ließ ich mich in diesen Moment übrigens nicht. Da ich ja keine Zielzeit im Kopf hatte, war mir die ein oder andere Minute egal. Doch plötzlich wurde mir schwindlig und meine Beine machten schlapp. Ich merkte, wie mein Adrenalin in den Keller ging. Ein Weiterlaufen war zu diesem Zeitpunkt keine Option. Es war so schlimm, dass ich für einen kurzen Moment ans Aufgeben dachte. 8 km vor dem Ziel aufgeben? Nein, nicht mit mir! Ich ließ mir einfach noch mehr Zeit und verpflegte mich so lange, bis es mir wieder gut ging. Insgesamt vergingen am 8.Verpflegungspunkt gut 30 Minuten, die ich allerdings auch brauchte.

Semi-regeneriert und mit neuer, trockener Kleidung (ab hier auch mit langer Hose), ging es dann weiter. Bis zur letzten Verpflegungsstation an der Dresdener Hütte waren es „nur“ 3 km. Aber die hatten es in sich: 900 hm galt es zu überwinden. Wie eine unendliche Treppe ging es Stein auf Stein bergauf. Meine Uhr zeigte mir im Schnitt 1 km/h an. Ist schon ein bisschen deprimierend, wenn man sonst 15 km/h gewohnt ist. Es dauerte insgesamt eine Stunde bis zur Dresdener Hütte. Je weiter und höher es ging, desto mehr kamen die körperlichen Schmerzen, vor allem das Innenband im Knie bereitete mir Probleme. Ab diesem Zeitpunkt hieß es dann nur Zähne zusammenbeißen.

 

Regenbogen Stubaier Gletscher nach Regen und Sonne

 

Mit dem Erreichen der Eisgrat-Station war der letzte Kilometer angebrochen und der hatte es wirklich in sich. Nicht nur das dieser brutal steil war, die Strecke führte auch noch durch Neuschnee. Zum Anbringen meiner mitgeführten Schneeketten viel mir aber einfach die Kraft. Also entschied ich mich, ohne Spikes weiterzugehen. Vielleicht war ich deshalb auch deutlich langsamer, aber nur das reine Anziehen der Ketten hätte mir die letzten Körner geraubt. Auf den letzten 500 m war der Support einfach unglaublich. Die Zuschauer peitschten einen wörtlich nach oben – meine Hochachtung für dieses Durchhaltevermögen bei echt unangenehmen Witterungsbedingungen.

Als ich das Ziel sah, sammelte ich noch einmal alle Kräfte und lief die letzten Meter ins Glück hinein. Nach 10 Stunden und genau 55 Minuten hatte ich es endlich gepackt: die größte sportliche Leistung meines Lebens. Glück und Stolz strömten durch meinen Körper wie das Wilde Wasser durch Neustift. Auch wenn ich jetzt noch daran zurückdenke, verschlägt es mir die Sprache. Einfach nur geil! Mit einem verdienten Kaiserschmarren genoss ich noch die Sonne bis es dann wieder ins Tal zurückging.

An dieser Stelle danke ich allen, die an mich geglaubt haben. Auch ein fettes Dankeschön an unsere Ausstatter, die super Produkte geliefert haben. Ohne dieses wäre es deutlich schwerer gewesen.
Die Garmin 935 wird nach dem riesen Abenteuer mein treuer Begleiter für meine nächsten Herausforderungen. Egal ob bei Trails, schnellen Einheiten auf dem Asphalt oder bei Schwimmen.

 

An der Jochdohle vom Stubaier Gletscher angekommen. Die Medaille in der Hand. Es liegt Schnee

 

Susi goes Basictrail: 28, 6 Km und 2.522. Hm

Ich laufe nicht den Ultratrail!

Mit diesen Worten hatte ich Dennis einen verbalen Schlag ins Gesicht geliefert. Er konnte zu erst nicht verstehen, warum ich mich gegen die 63 km entschieden hatte. Allerdings siegte die Vernunft und ich entschied mich gegen den Ultratrail und für den Basictrail. Da meine ursprüngliche Begleitung abgesagt und ich auch niemand anderes für diese verrückte Aktion gefunden hatte, meldete ich mich auf den Basictrail um und konnte sogar noch Isa und Andi davon überzeugen, mich auf den 28 km zu begleiten. Und auch wenn für mich die Herausforderung nur noch halb so schwer erschien, war die Aufregung noch genau so groß wie vorher.

 

Stubai Basictrail: 28 km und 2500 Hm

 

Wie soll ich das alles in den Rucksack bekommen?

Nachdem wir am Freitagabend in der Unterkunft ankamen, konnten Isa, Andi und ich uns schon mal das Packszenario bei Dennis ansehen. Da Dennis aber ein Logistiker durch und durch ist, hatte er im Gegensatz zu uns, wenig Probleme alles unterzubekommen. Außerdem war er in der glücklichen Situation, dass er einen Wechselbeutel am Verpflegungspunkt der Mutterbergalm deponieren konnte. Für uns gab es diese Option nicht, da wir ja „nur“ die 28 km gelaufen sind.

Der nächste Morgen änderte alles! Während Dennis schon seit über 7 Stunden auf den Beinen war, begann vor uns das finale Packen. Das Outfit stand eigentlich schon fest: lange Hose und Langarmshirt. Da wir aber am Morgen vor dem Start noch unsere Startunterlagen abholen mussten, waren wir gezwungen schon vorher das Haus zu verlassen – zu unserem Glück! Denn obwohl es die ganze Nacht in Strömen geregnet hatte, begrüßten uns die Sonne und 15 Grad im Schatten. So viel zum Thema „lange Klamotten“. Also, schnell die Unterlagen abgeholt, zurück in die Hütte und alles überdenken. Am Ende wechselten wir von lang auf kurz und standen nun vor dem Problem alles in den Rucksack zu bekommen. Da man aber bekanntermaßen mit seinen Aufgaben wächst, konnte am Ende alles problemlos verstaut werden und die große Reise konnte nun auch endlich für uns losgehen.

 

So eine Penis-Pfeife habe ich auch noch nie gesehen!

Bevor es in den Startbereich ging, wurden noch schnell Instagram-taugliche Fotos gemacht, die Familie und Freunde über den bevorstehenden Start informiert und dann ging es auch schon zur Taschenkontrolle. Ehrlich, es fühlte sich an wie bei einem Festival-Besuch, nur das man nüchtern war. Die Kontrolleure gingen einmal die komplette Pflichtausrüstungsliste ab und man musste zeigen, ob man alles an Mann hat. Der Gedanke an den Moment, als ich die Penis-Pfeife vorzeigte, zaubert mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht. Der netten Kontrolleursdame bestimmt auch.

Im Startbereich angekommen, wurde noch ein wenig Stimmung gemacht, Highway to Hell gesungen und pünktlich um 10 Uhr viel dann auch der Startschuss! Genau wie bei Dennis hatten wir einen neutralen Start, der ein Überholen anderer Läufer verbietet. Bis zu einem gewissen Punkt fährt ein Polizeiwagen vor den Läufern, um sie sicher durch die Stadt zu eskortieren, danach geht es wie gewöhnlich ohne Auto weiter.

 

Ein Selfie mit einer Kuh in Stubai

Bildcredit: Isa von Run Munich Run

 

Wir werden die Letzten sein, aber haben die schönsten Fotos

Am Anfang war das Feld noch ziemlich dicht beieinander, zog sich aber bei jedem Anstieg immer weiter auseinander, sodass sich die Läufer gut verteilten. Andi, Isa und ich blieben zusammen und machten bereits zu Beginn die ersten Fotos für Mutti (und Instagram). Beeindruckt von der Kulisse, kam dies übrigens ziemlich häufig vor…

Der Weg führte links von der Hauptstraße, welche von Neustift zur Mutterbergalm führt, vorbei. Waldwege, die ersten Anstiege und Wasserfälle prägten das Landschaftsbild. Zwischenrein mischten sich Kühe, Schafe, Ziegen und fröhliche Wandersmänner. Die Wandergruppen waren übrigens auch gleichzeitig unser Support an der Strecke. Applaus und gute Zusprüche ebneten uns den Weg. Alles war sehr familiär und irgendwie auch zu schön, um wahr zu sein. Wann kommt er denn eigentlich, der krasse Anstieg? Ab wann wird es brutal für Körper und Geist? Die ersten 10 km vergingen, wie um Flug und die Laune war bei allen Beteiligten on point.

 

Verpflegungsstation von Powerbar

 

Die Verpflegungspunkte waren für uns wie ein All-yo-can-eat-Buffet mit allem was das Herz begehrt. Wassermelone, Nudeln, Brot, Nüsse, Käse, Wurst, Schokolade, Suppe, Cola, Iso, Wasser und vieles mehr, sorgten dafür, dass wir auf der ganzen Strecke wahrscheinlich eher an Gewicht zulegten, als welches zu verlieren.

 

 

Mit zunehmender Höhe wurde es auch spürbar kühler. Zwar hatte die Sonne so viel Power, dass man immer noch ordentlich schwitzte, aber man bekam eine Ahnung davon, wie es wohl auf über 2.000 m Höhe sein wird. Zudem spukte uns allen noch die Ansage vom Start im Kopf herum: „Wir haben das Ziel aufgrund von Neuschnee verlegen müssen und ab Dresdener Hütte sind lange Klamotten für ALLE Starter Pflicht.“ Was wird uns also da oben erwarten? Bis nachmittags war zumindest Sonne gemeldet, ab 15 Uhr dann Nebel und Regen.

 

Dresdener Hütte im Stubaital, Stubaier Gletscher. Dresden Schild

 

Jetzt wird’s fies!

Der erste Streckenabschnitt war geschafft. Wir haben es von Neustift im Stubaital bis zur Mutterbergalm geschafft. Alles was jetzt kommt wird hart. Nachdem der erste Abschnitt mit gemächlich ansteigenden Trails gut zu bewältigen war, sollte es auf dem letzten Stück nur noch bergauf gehen. In Zahlen heißt das von 1.756 m auf 2.900 m.

Der Trail nach oben war steil, sehr steil. Nur durch die sehr gute Markierung der Strecke war es überhaupt möglich den richtigen Weg zu finden. Dieser war gekennzeichnet von Steinen und noch mehr Steinen. Und dann kam der Regen! Erst nur leicht, später immer stärker, sodass die mitgeschleppte Regenjacke doch noch zum Einsatz kam. Es wurde auch zunehmend kühler, was man vor allem daran merkte, wenn man kurz stehen blieb, um (mal wieder) ein Foto zu machen. Isa und ich kamen dennoch ziemlich gut hoch und hatten sogar noch Kraft, um zu quatschen. Dass verwunderte sogar die uns entgegenkommenden Wanderer.

 

Laufen auf dem Gletscher bei Schnee und Eis

Bildcredit: Sportograf

 

„Ja Mensch. Ihr seid’s gut drauf, oder?“

Dank der Stöcke fiel uns der Aufstieg bis zur Dresdener Hütte noch relativ leicht und auch das Wetter war dank der richtigen Kleidung auch kein Problem für uns. An der Hütte angekommen, wollten wir mal wieder nur eins: Essen! Und da die Leute am letzten Verpflegungspunkt so unfassbar freundlich und gut drauf waren, verweilten wir noch, quatschen und vergaßen, dass wir ja noch ins Ziel müssen. Also, ab in die langen Klamotten (Danke an die Frau von der Dresdener Hütte, die uns den beheizten Ski-Raum zur Verfügung stellte), noch ein, zwei, drei Wassermelonen schnabuliert, auf Andi gewartet und dann ab die Post und voll motiviert in Richtung Ziel.

Die Bedingungen wurden zunehmend heftiger, zwischen Regen und Wind mischten sich nun auch die ersten Schneeflocken. Die Steine waren nass und das, was mal Erde war, war nur noch Schlamm. Trotz Kennzeichnung des Weges fiel es uns immer schwerer die richtige Richtung zu finden – nur gut, dass ich mein altes Trailwissen aus Herr der Ringe habe und genau wussten, wie man die frischen Spuren im Matsch zu deuten hat.

 

Schneemann am Stubaier Gletscher

Wir dachten erst es ist eine Fata Morgana, beim näheren hinsehen erkannten wir seine wahre Gestalt: ein Schneemann! Bildcredit: Isa von Run Munich Run

 

Wir kämpften uns also Schritt für Schritt nach oben, begegneten dem ein oder anderen Menschen oder auch Schneemann und begannen irgendwann damit, lustige Wanderslieder zu singen. Die Höhenluft machte sich bemerkbar, eine Art Trunkenheit setzte ein, aber unserer Stimmung tat das keinen Abbruch. Zwischen Atemnot und lieblichen Gesängen passierten wir dann endlich die Schneegrenze. Und Schneegrenze bedeutete, dass das Ziel in greifbarer Nähe sein musste.

 

Stubai Gletscher Schneegrenze Winter

Da wo Schnee liegt kann das Ziel nicht mehr weit sein. Bildcredit: Isa von Run Munich Run

 

Für die Medaille und den Kaiserschmarren!

Die letzten Meter waren dann so unglaublich anstrengend, es wurde immer steiler und immer nasser. Und so langsam wollte man auch nur noch ankommen, sitzen und essen. Den Kaiserschmarren und die Medaille vor Augen, mobilisierten wir die letzten Kräfte, klatschten noch mal mit unseren neu gewonnenen Freunden vom Stubai Gletscher ab und bewältigten den letzten Anstieg mit Blick auf den Eisgrat. Nur noch wenige Schritte und dann ist es geschafft! Nach knapp 7 Stunden, mindestens 20 angestimmten Liedern und 100 Stück Wassermelone, hatten wir es geschafft. Mit den Worten: „Und hier kommen die nächsten beiden Damen ins Ziel!“ liefen wir über die Ziellinie und nahmen unsere Medaille in Empfang. Danach noch eine kräftige Umarmung unter Trailrunning-Buddies, ein After-Race-Selfie und dann ging es auch schon zur Abholung des Finisher-Shirts. Danach zwei große Portionen Kaiserschmarren, noch einmal ein paar letzte Fotos für das digitale Fotoalbum – ja, es kam tatsächlich nochmal die Sonne raus – und dann ging es auch wieder zurück ins Tal, wo Dennis bereits mit Sekt und Keksen auf uns wartete.

 

Im Ziel nach 28 km beim Stubai Ultratrail, Basictrail sStubaier Gletscher

Einfach nur happy! Bildcredit: Sportograf

 

Wir stoßen an! Auf unseren Erfolg! Auf unser Durchhaltevermögen! Auf Stubai und den Gletscher!

 


 

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