Wer nicht grüßt ist doof.

So alt wie das Laufen selbst, so alt ist der Mythos “grüßen oder nicht grüßen”. Ein Thema welches mich gerade nach meinem Montags-Lauf wieder beschäftigt hat, denn ich vertrete da einen ganz klaren Standpunkt: Ich grüße und ich will auch gefälligst zurück gegrüßt werden. Punkt.

Am Montag also habe ich genau 17 Läufer gezählt. Ca. 80 % waren Männer mittleren Alters. Die restlichen 20 % waren Frauen, Altersklasse von 18 bis 70 Jahre. Der Fitnessgrad der einzelnen Sportler reichte vom “dicken bärtigen Laufanfänger” bis zum  “ambitionierten durchtrainierten Marathonläufer”. Es gab Einzelläufer und Gruppen. Im Prinzip war es wie immer ein gemischtes Publikum. Nur eins war anders: Alle waren irgendwie genervt und wirkten eingebildet. Lag es an der Tatsache das Montag war oder aber am Wetter? In der ganzen Zeit haben mich gerade einmal 4 (!!!) Leute gegrüßt, wovon allein 3 Grußinitiativen von mir ausgingen. Das kann doch nicht sein!

Ja Ok – montags ist Sporttag und es sind mehr Läufer unterwegs als sonst, aber hey, wir sind hier nicht im englischen Garten in München sondern im beschaulichen Brauni. Und 17 Läufer sind nun wirklich nicht zu viel, um ihnen nicht wenigstens 1 Sekunde deiner Zeit zu schenken.

Das die meisten nicht einmal mehr auf mein Winken oder Nicken reagierten, brachte mich noch mehr zur Weißglut. Und so kam es, das ich mich doch tatsächlich dabei ertappte, wie ich mich während meines Laufes über das “Nicht-Grüßen” aufregte. Obendrein kam ein nicht optimaler Lauf, erschwerte Wetterbedingungen, müde Beine und ein stressiger Arbeitstag. Trotzdem bin ich so höflich und grüße meine “Kollegen” – um dann mit Ignoranz bestraft zu werden? Na danke auch. Die ganze Sache hat mich irgendwie zum nachdenken gebracht und wie doch alles vor 2 Jahren war – als der “Läufergruß” noch selbstverständlich war.

Am Anfang war der Läufergruß

Die ersten Gehversuche nach 10 Jahren Sportabstinenz waren die Hölle für meinen Körper. 2 km laufen waren schon der Tod für mich. Meine Laufversuche müssen ausgesehen haben wie Sterben mit Anlauf.

Die fehlende Kondition, das winzige Lungenvolumen und die mehr als schlechte Ausdauer haben mein Selbstbewusstsein auf die Größe einer Erdnuss schrumpfen lassen. Umso besser fühlte ich mich, wenn ein netter Läufer an mir vorbei sauste und mir sein Zahnpasta-Lächeln entgegen schmiss. Obgleich das Grinsen pures Mitleid, Sympathie oder einfach nur Freundlichkeit war, es war ein Lächeln, welches mir indirekt signalisierte: “Hey du Schildkröte, du schaffst das.” Ich hatte das Gefühl “dazu zu gehören”, quasi ein Teil der Laufgemeinschaft zu sein. Ich fühlte mich als Läufer! (auch wenn ich davon in Wahrheit noch mindesten 42 Lichtjahre entfernt war.) Diese Erfahrung machte ich in den nächsten Wochen regelmäßig. Menschen lachten, winkten, nickten und sagten sogar “Hallo”. “Hallo” – dieses kleine Wörtchen hat so viel mehr Bedeutung, wenn es aus einem hechelnden, röchelnden und schwer atmenden Körper kommt. Das muss schon fast Liebe sein. Anders kann ich mir das nicht erklären.Ich hätte nie gedacht, das Läufer so ein nettes Volk sind. Obwohl jeder seine Runden für sich zieht, ist man doch nie ganz allein. Vor allen Dingen, wenn man bei -10 Grad durch die City läuft und sich als Aussätziger fühlt. Dann ist die Begegnung mit einem Gleichgesinnten wie die Kirsche auf dem Schokoshake.

Doch was ist daraus geworden? Scheinbar haben sich die Zeiten geändert und die Freundlichkeit untereinander nimmt ab. Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, dass man selbst sportlicher unterwegs ist. Waren das also alles nur Nettigkeiten aus reinem Mitleid? Ist man als unsportlicher, in Baumwollkleidung gehüllter Laufttrampel keine Konkurrenz und deshalb liebenswerter? Wird man als guter Läufer einfach weniger gegrüßt, weil man so ehrgeizig und verbissen rüberkommt? Oder strahlt man ein so großes Selbstbewusstsein aus, das es die anderen einschüchtert?

Ich persönlich mache da keine Unterschiede.
Es hat Turnschuhe an? Es trägt Laufkleidung? Es rennt schneller als 5 km/h? Dann muss es zur Spezies der Läufer gehören und wird prinzipiell gegrüßt!

Auch Lebewesen die der gleichen Gattung angehören haben “Grüßerrituale”. Hunde beschnüffeln sich gegenseitig am Arsch und Motorradfahrer grüßen sich per Handgruß auf der Straße.
Man hat das gleiche Hobby, die gleichen Interessen oder gehört einer gemeinsamen Gruppe an, dann ist Grüßen ein Muss!

Seit Beginn meiner “Läuferkarriere” führe ich nun Statistiken über das Phänomen “Grüßen”.
Haben anfangs vor allem noch sehr sportlich aussehende Männer gegrüßt, geht ein Großteil des Grüßens mittlerweile von mir aus. Die runnersworld benennt in ihrer Läufer-Knigge folgende Regel:
“Regel 3 : Für die Reihenfolge gelten die allgemein bekannten Regeln: Jung grüßt Alt, Mann grüßt Frau, Einzelner grüßt Gruppe. Eine Läufer-Sonderregel „Langsam grüßt Schnell“ gibt es nicht.”

Mein Schlusswort zu diesem Thema

Ob man nun abgekämpft, konzentriert oder voller Power läuft – eine kleine Geste der Freundlichkeit ist nie falsch.
Und freut man sich nicht selbst, wenn man angelächelt wird? Sind genau DAS nicht diese kleinen Momente, die das Laufen so besonders machen? Du brichst dir wahrhaftig keinen aus der Krone, kurz deine Hand zu heben oder nett zu lächeln. Außerdem darf man auch gerne zu erst grüßen, denn was besagt ein sehr schlaues Sprichwort?

“Mit Lächeln gewinnt man mehr Freunde wie mit einem langen Gesicht.”


 Jetzt bin ich gespannt! Wie handhabt ihr das so? Gehört ihr zur Kategorie “Laufen und nach unten gucken” oder seid ihr jemand der grüßt? Findet ihr das gehört dazu oder findet ihr grüßen unnötig?

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