Marathontraining

Lieber keinen Marathon laufen!

Noch 41 Tage. 41 Tage bis zum großen Tag. Dann ist es endlich soweit – nach fast fünf Monaten Training werden wir an der Startlinie stehen und mit tausend anderen Laufverrückten ein Ziel verfolgen: Die 42 km zu bezwingen. Bis dahin haben wir zum Glück noch ein paar Wochen Vorbereitungszeit inklusive dem Halbmarathon in Berlin. Der ist nämlich schon in drei Wochen. Ist schon verrückt, aber diesmal wird der Halbmarathon “nur” eine Trainingseinheit sein. Natürlich werden wir auch hier alles geben, aber im Fokus bleibt einfach der Marathon in Hannover.

Aber wie lief es eigentlich bis hier her? Mein letzter Bericht liegt schon ein wenig zurück, denn ich musste mich erstmal sortieren und mich um wichtige Dinge kümmern. Aber! Die letzten Wochen werde ich nochmal angreifen und alles rausholen.

 

Marathon Training

Schüttelfrost, schlaflose Nächte und scheiß Werte

Das die Vorbereitung nicht immer reibungslos verlaufen wird, dachte ich mir schon als der Sportarzt mir diesen Wisch in die Hand drückte, mit dem Vermerk: “Sie werden den Plan eh nicht so durchziehen können. Da wird schon noch die ein oder andere Krankheit dazwischen funken.” Arsch… er hatte nämlich Recht. Bevor ich überhaupt mit dem Training anfangen konnte, lag ich mit einer Grippe im Winterurlaub flach. Danach Vollgas. Zu Weihnachten dann der nächste Rückschlag. Magen-Darm. Ein Traum sag ich euch. Sich entscheiden zu müssen, ob man jetzt kotzten oder kacken muss ist nicht gerade schön. Aber auch das hab ich irgendwie weggesteckt und so ging Mission Marathon in die nächste Runde. Neues Jahr, neues Glück. Nach dem super 11 km-Lauf zu Silvester, ging es im Januar voll motiviert weiter. Ich schaffte es auf über 200km im ersten Monat des Jahres und alles lief nach Plan. Endlich wurde mein GA1-Training mit dem GA2-Training erweitert und somit kam auch mehr Abwechslung rein. Ich hatte langsam Gefallen an den langen Läufen gefunden und fühlte mich fitter als je zuvor.

Bis zu dem Tag, als ich nachts wieder einmal vor Schmerzen und Kälte aufwachte.

Es läuft immer gleich ab. Ich gehe total müde ins Bett, schlafe nach Stunden endlich ein und wache dann mitten in der Nacht mit Schüttelfrost, Kopf- und Beinschmerzen auf. Die Nacht ist dann natürlich gelaufen und der nächste Tag auch. Auf Grund mehrfachen Auftretens dieser Symptome, ging ich zum Arzt. Der hat dann erstmal alles gecheckt, was man so checken kann. Am Ende saß ich beim Angiologen mit Verdacht auf Thrombose!

SCHEIß DOCH DIE WAND AN!

Sowas kann ich jetzt wohl gebrauchen?! Ich glaube die spinnen alle. Sauer auf die ganze Welt und vor allem sauer auf mich selbst, schiebte ich die nächsten Tage erstmal Depri und verkroch mich in der Bude. Achja, der Verdacht hatte sich (ZUM GLÜCK) nicht bestätigt. Mit den Beinen ist alles OK. Jetzt könnte der Übeltäter etwas weiter oben sitzen. Ja, ich rede von unserem Motor – dem Herz. Noch diesen Monat habe ich einen Termin beim Kardiologen, der dann alles abklären wird. Und weil das nicht schon alles nervig genug ist, sind die Blutwerte irgendwie auch alle scheiße und blöd und überhaupt… Vielleicht liegt der Grund für meine regelmäßigen “Anfälle” ja irgendwo da begraben. Schön wäre es, wenn man es rausfindet und dann was dagegen tun kann. UND! Weil das alles nicht schon unnötig genug wäre, wird bald auch ein Zahn neu gemacht und endlich, ja endlich, wird mein Konto um 1000 Euro erleichtert. Leben ist schön.

 

Marathon TrainingMarathon TrainingMarathon Training

 

Überdenken Sie nochmal die Sache. Die Sache mit dem Marathon.

So einen Satz hört man doch gerne, vor allem nach drei Monaten Training, unzähligen gelaufenen Kilometern, viel Schweiß und abgenutzten Schuhen … NICHT! Nun stand ich da also. Ich fühlte mich wie ein alter, kranker Mann. Ein alter, bärtiger, kranker Mann. Aber auch alte und bärtige Männer können Marathon laufen. Alles eine Frage der Vernunft und des Trainings. Und so geschah es, dass ich nach ein paar grauen Tagen wieder voll ins Geschehen einstieg.

 

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Die ersten 30km meines Lebens.

Mit dem Wissen das ich auf meinen Körper achten und die Warnsignale ernst nehmen soll und mit neuen Pillen im Gepäck, machte ich mich an diesem einen Sonntag auf. Auf, um die ersten 30km meines Lebens zu laufen. Waaaaaaaaaaahhhh , war das hart. 20km läuft man noch. Bei 25km wird es schon schwer. Bei 28km hat man schon keinen Bock mehr. Und bei 30km schreit man mit allerletzter Kraft die runtastic-Tussi im Telefon an, wann sie denn endlich mal die magischen Worte “D-IIIII-ST-AAAAA-NCEEE TH-ÖÖÖÖÖÖ-RT-IIIIIIE KILO-MIIIIIETERS” sagt. Oh man. Wenn ich schon bei 30km abkacke und aggressiv werde, wie soll ich dann die “letzten” 12km schaffen? Was soll das? Und wer hat dieses “Marathon laufen” eigentlich erfunden und vor allem: WARUM TUE ICH MIR DAS AN?

Nach der Hölle kommt der Stolz.

Naja, ganz so schlimm war es dann doch nicht. Schon während des Duschvorgangs überkam mich ein Gefühl von Stolz und Freude. Das Wissen, dass man gerade diese magische Marke geknackt hat ist einfach unbezahlbar. Und dann – ja dann, weiß man warum man das macht. Man geht an seine Grenzen, überwindet eklige, ja zum Teil fiese Punkte, wächst über sich hinaus, beißt die Zähne zusammen, kämpft bis zum letzten Meter, um dann mit Glücksgefühlen am Ziel anzukommen. Wenn man dieses Gefühl auch beim Zieleinlauf beim Marathon hat, dann haben sich fünf Monate hartes und qualvolles Training gelohnt. Und dafür lohnt es sich am Ball zu bleiben, weiter zu machen, nicht aufzugeben, weiter zu laufen und weiter am Traum festzuhalten, am 19.04. durch die Ziellinie zu gleiten!

Hannover – ich komme!

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